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Gliederung  Sulcorebutia


Eigentlich ist die Überschrift dieser Seite falsch oder zumindest irreführend. Ich werde es mit Sicherheit nicht schaffen, jeden Monat eine andere Sulcorebutia auf dieser Seite ausführlich darzustellen - schon gar nicht während der Vegetationszeit. Ich habe nur vor, von Zeit zu Zeit eine mir interessant erscheinende Art, Varietät oder Feldnummer ausführlicher zu beschreiben und ein paar Bilder und Informationen zu übermitteln. Vielleicht hat jemand eine zündende Idee, wie man eine solche Seite besser tituliert oder überschreibt.

Um diese Seite nicht zu sehr zu überfrachten, lösche ich ab sofort die alten "Sulcorebutien des Monats". Um die Beschreibungen aber für interessierte Besucher dieser Seite verfügbar zu halten, habe ich nun die Möglichkeit geschaffen, sie komplett als PDF-File herunterzuladen (ohne die aktuelle "Sulcorebutia des Monats"). 


Sulcorebutia des Monats (Download)


Nach der Sommerpause soll es endlich eine neue "Sulcorebutia des Monats" geben. Ich habe dieses Mal Sulcorebutia tiraquensis ausgesucht. Wegen der unglaublichen Formenvielfalt kann ich nur die Typvarietät behandeln. Die anderen Varietäten kommen ein anderes Mal an die Reihe. Obwohl alle Sulcos gültig zu Weingartia umkombiniert worden sind, bleibe ich hier bei „Sulcorebutia“, denn wie am 21.7.2008 auf der Seite „Aktuelles und Links“ ausgeführt bin ich der Ansicht, dass „Sulcorebutia“ zumindest als Untergattung bestehen bleiben muss.  

Da die Kapazität meiner Homepage keine zweite Bildergalerie erlaubt, werde ich die alte Bildergalerie leeren und sie mit einer Anzahl Bilder von S. tiraquensis füllen. Auch in den nächsten Tagen und Wochen werde ich, soweit es meine Zeit erlaubt, weitere Bilder der neuen "Sulcorebutia des Monats" dorthin hochladen.


(nach Fundort in der Cordillera de Tiraque)  

Erstbeschreibung:
Cárdenas, M. (1957): Nouvelles Cactées Boliviennes (V) – Rebutia tiraquensis Cárdenas nov.sp. – Cactus (Paris) 12 (57): 257-259 
Ritter, F. (1961): Sulcorebutia Backeberg – Sulcorebutia tiraquensis (Cárdenas) Ritter nov. comb. – Nat.Cact.Succ.J. 16 (4): 81
 
Synonyme
:
Weingartia aglaia F.Brandt – Cactus (Wijnegem) 10 (3): 54-56, 1978.
Sulcorebutia tiraquensis var. electracantha nom. invalid. Backeberg – Descriptiones Cactacearum Novarum (et Combinationes Novae) III: 14, 1963 –  VEB Gustav Fischer Verlag, Jena
Rebutia steinbachii ssp. tiraquensis (Cárdenas) D. R. Hunt –.Cact. Consensus Init. No. 3: 6, 1997

Beschreibung (nach Augustin Gertel & Hentzschel 2000, verändert)): Körper einzeln, ohne Verletzung des Scheitels nur selten sprossend, bis 12 cm hoch und 15 cm dick, in eine bei großen Pflanzen wenig ausgeprägte Rübenwurzel übergehend. Areolen lang und schmal bis leicht oval, ca. 6 mm lang und 1,5-2 mm breit. Dornen 15-30, nur schwer in Mittel- und Randdornen zu trennen, je nach Standort unterschiedlich, entweder einfarbig von gelb bis schwarz oder die kräftigeren, mittelständigen Dornen sind bernsteinfarben bis dunkelbraun und die feineren, randständigen Dornen sind gelblich bis weiß, zwischen 5 und 35 mm lang. Die alten Dornen im unteren Bereich großer Pflanzen sind meist grauschwarz. Knospen aus den mittleren 2-3jährigen Areolen, grünlich, olivgrün bis bräunlich. Blüten 30 mm lang und 35 mm Ø, geruchlos bzw. mit kaum erkennbarem Duft. Äußere Blütenblätter hell- bis dunkelviolett oder orangerot bis rot, z.T. mit grünlichem Mittelnerv, innere Blütenblätter ebenso gefärbt, bei den Violettönen manchmal nach unten zu heller bis weiß. Staubfäden hellrosa, nach unten zu etwas dunkler gefärbt, bei rotblütigen Pflanzen auch gelblich. Griffel weiß bis gelbgrün, mit 4-6 weißlichen oder grünlichen Narbenästen. Frucht olivgrün bis braun, 5-6 mm Ø mit grünen, olivgrünen oder bräunlichen Schuppen. Unter den untersten Schuppen einige weiße Haare. Samen 1,4-1,5 mm lang und 1,1-1,2 mm breit.  

Vorkommen:
Dept. Cochabamba, Prov. Carrasco, nördlich und südlich der Straße Cochabamba – Sta. Cruz, etwa zwischen km 95 und 160, auf 3000-3200 m Höhe. (Typstandort lt. Cárdenas bei km 107)  

Feldnummern:
Cárd.5493 (Typaufsammlung), G15, G81, G82, G117, G225 – 227, G302, G362, HS19, HS31, R187, VZ14, VZ15, VZ136, VZ139, VZ141, VZ326, VZ685, WK215 und viele mehr






















Sulcorebutia tiraquensis v. tiraquensis G15/11


Sulcorebutia tiraquensis v. tiraquensis G15/15

Kultur: S. tiraquensis v. tiraquensis stammt aus einer Gegend mit reichlich Niederschlägen und oftmaligem Nebel. Auch in Kultur entwickeln sich die Pflanzen besonders prachtvoll, wenn sie während der Vegetationszeit reichlich gegossen werden und vor allen Dingen im Frühjahr oft gesprüht werden. Ansonsten gilt das, was schon bei anderen Sulcos gesagt worden ist.




















Typische Sulcorebutia tiraquensis v. tiraquensis G81, eine sog. "bicolorispina" mit ihren dunklen Mitteldorenen und den weißen Randdornen.

Bemerkungen (teilweise aus Augustin, Gertel & Hentzschel 2000 übernommen): Sulcorebutia tiraquensis var. tiraquensis ist wie kaum eine andere Sulcorebutia durch ihren Standort nahe der Grenze zum tropischen Chaparé geprägt. Wenn man in dieser Gegend entlang der Straße Cochabamba – Sta.Cruz fährt, sieht man, wie sich die feuchten Nebelschwaden über die im Norden gelegene Bergkette wälzen und dem Landstrich dahinter eine höhere Luftfeuchtigkeit und oft auch Niederschlag bescheren. Sulcorebutia tiraquensis hat diesem Umstand dadurch Rechnung getragen, dass sie im Gegensatz zu ihrer Nachbarart Sulcorebutia steinbachii eine kaum nennenswerte Rübenwurzel ausbildet und sich selbst in der Trockenzeit nicht oder nur wenig in die Erde einzieht. Um die Luftfeuchtigkeit verwerten zu können, haben die Pflanzen oft eine große Zahl ganz feiner Dornen, die in der Lage sind, diese aufzunehmen. Das Extrembeispiel ist die allgemein bekannte Sulcorebutia tiraquensis var. bicolorispina n.n., die von Brandt als Weingartia aglaia beschrieben worden ist. Sie hat, deutlich erkennbar, eine Vielzahl weißer Randdornen und so gut wie keine Rübenwurzel. Ein eigener Name für diese Form ist nicht notwendig, denn sie kommt mehr oder weniger stark ausgeprägt an fast allen Tiraquensis–Standorten vor. Auch die gelbdornige Form, die unter dem Namen „electracantha“ bekannt war, ist nur eine von unzähligen Farbvarianten.




















S. tiraquensis v. tiraquensis G15/12 aus der Nähe von Monte Puncu

Sulcorebutia tiraquensis hat in dieser nördlichen Grenzregion zum tropischen Tiefland ein sehr großes Verbreitungsgebiet, das sich von Straßenkilometer 95 von Cochabamba bis etwa zum Kilometer 160 hinzieht. Westlich davon findet man die var. longiseta und weiter östlich var. aguilari. Eines der Mannigfaltigkeitszentren befindet sich in der Umgebung von Monte Puncu, etwa bei km115. Hier wächst S. tiraquensis praktisch überall (z.B. G15, G81, G82, G302), ohne dass man sagen könnte, dass sich irgendwo besondere Formen herausgebildet hätten. An manchen Fundorten findet man überproportional viele „bicolorispinas“ an anderen nur sehr wenige. Insgesamt ist aber die Zusammensetzung der Populationen sehr ähnlich. Ich habe auch noch bei km160 einen Standort (G242) gefunden, wo sich die Pflanzen kaum von denen bei Monte Puncu unterscheiden. Anders ist die Situation je weiter man nach Süden kommt. Südlich und südwestlich von Monte Puncu wird S. tiraquensis viel zierlicher (G226 und G362) und es fällt oft schwer, sie als diese Art zu erkennen. Was dieses Unterfangen noch schwieriger macht, ist die Tatsache, dass diese Formen im Gegensatz zu den typischen Vertretern sehr lange in einem Jugendstadium verharren und erst ab einem gewissen Alter die charakteristische Bedornung entwickeln. An anderen Stellen überschneidet sich das Verbreitungsgebiet von S. tiraquensis v. tiraquensis mit dem anderer Varietäten, was automatisch die Frage aufwirft, inwieweit diese Varietäten innerhalb einer so extrem variablen Art überhaupt berechtigt sind























Eine große Gruppe unterschiedlichster Formen von Sulcorebutia tiraquensis v. tiraquensis am Standort G302























Große Pflanze von S. tiraquensis v. tiraquensis am Standort G302

S. tiraquensis v. tiraquensis ist charakterisiert durch relativ große Pflanzenkörper (ich habe an einem Fundort nahe Monte Puncu vereinzelt Pflanzen von der Größe eines Fußballs gesehen), einer dichten, abstehenden, stechenden Bedornung, die von hellgelb bis schwarz gefärbt sein kann. Oft ist die Bedornung zweifarbig, wobei die häufigsten Kombinationen hellgelbe bis schwarze Mitteldornen mit meist weißen Randdornen sind. Weiterhin ist es bemerkenswert, dass S. tiraquensis v. tiraquensis keine nennenswerte Rübenwurzel besitzt. Die Blüten erscheinen nur bei Jungpflanzen aus der Basis, während ältere Exemplare meist aus schulternahen Areolen blühen. Die Farbe der Blüten umfasst praktisch das komplette Spektrum der bei Kakteen möglichen Farben, wobei bichrome Blüten selten bis unbekannt sind und auch weiß meines Wissens nicht vorkommt. Einzige Ausnahme – wenn man so will – sind rosa Blüten mit fast weißem Schlund.























Sämlingspflanze einer zwergigen Form von S. tiraquensis v. tiraquensis G362 mit Jugendbedornung, ohne jegliche Mitteldornen























Ausgewachsene Pflanze von S. tiraquensis v. tiraquensis G362 mit der typischen Bedornung